In eigener Sache

Da ich selbst einen älteren Hund aus einem Tierheim übernommen habe, ist es mir eine Herzensangelegenheit, auch andere zu ermuntern, einem älteren Hund ein schönes Zuhause zu schenken.

Ein Einwand, den man oft zu hören bekommt, ist: „Einen älteren Hund hab´ ich ja nicht lange, da muss man sehr bald wieder um ihn trauern“. Aber eine Garantie auf Gesundheit und ein langes Leben hat man bei einem jungen Hund auch nicht! Auch ein junger Hund kann krank werden und früh sterben. Durch Überzüchtung vieler Rassen kommt das gar nicht so selten vor, wie ich aus meiner Tätigkeit als Hundetrainerin bestätigen kann. Ja, Trauerarbeit ist unbequem und unangenehm, aber das darf kein Grund sein, dass man einen älteren Hund einsam im Tierheim sterben lässt!

Ein weiterer Einwand, der einem oft begegnet, ist: „Wenn man sich einen älteren Hund nimmt, sitzt man ja ständig beim Tierarzt“. Aber auch das ist bei einem jungen Hund nicht ausgeschlossen! Ich kenne sehr viele, die mit ihrem jungen Hund wesentlich öfter zum Tierarzt müssen, als das bei mir mit meinem älteren Hund der Fall ist.

Ein großer Vorteil bei älteren Hunden ist, dass sie über Lebenserfahrung und damit über Weisheit verfügen, wodurch sie vieles im Leben souveräner und gelassener bewältigen. Sie verfügen meist auch über ein gewisses Maß an Grundgehorsam.

Außerdem erlebt man bei einem älteren Hund keine Überraschungen mehr, wie groß er letztendlich wird und was seine Charaktereigenschaften betrifft. Im Vergleich zum älteren Hund ist der junge Hund ein „Überraschungspaket“, denn man weiß nicht wie er sich entwickeln wird.

Die Tierheime sind voll mit älteren Hunden, tollen Persönlichkeiten, die es alle verdienen, dass man ihnen – gerade weil sie älter sind – ein schönes Zuhause schenkt und ihnen damit einen schönen Lebensabend bereitet. Ältere Hunde sollten nicht im Tierheim sterben müssen, sie sollten bei lieben Bezugspersonen und in Geborgenheit ihr Leben beenden können, nicht allein in einem Tierheim! Ja, dieser Gedanke liegt mir wirklich sehr am Herzen!

Jerry

Die meisten Hunde haben ihren Menschen ihr ganzes Leben lang viel Freude bereitet und verdienen es, dass sie auch im Alter noch liebevoll umsorgt werden. Viele ältere Hunde in den Tierheimen haben ihr Zuhause verloren weil z.B. der Besitzer gestorben ist, weil sich Familien getrennt haben oder weil sie, durch meist selbst verursachte Erziehungsfehler, unbequem geworden sind. Die Gründe für die Abgabe von Hunden sind sehr vielfältig. Viele Erfahrungen von Leuten, die einen älteren Hund übernommen haben, bestätigen, dass sich ältere Hunde meist noch sehr gut an neue Familienverhältnisse anpassen können und sehr viel Freude bereiten. Da in ca. 35% der Fälle die Konstellation Welpe mit kleinen Kindern zur Abgabe des jungen Hundes führen, ist man oft mit einem älteren, gelasseneren Hund besser beraten. Wichtig ist natürlich, darauf zu achten, Hund und Kind behutsam aneinander zu gewöhnen und nie unbeaufsichtigt zu lassen.

Mein älterer Hund Jerry, der bei der Übernahme 10 Jahre alt war, hat mein Leben unheimlich bereichert. Ich möchte keinen einzigen Tag missen, den wir bereits gemeinsam verbringen. Es ist eine wunderschöne Erfahrung, einem älteren Hund einen schönen Lebensabend mit viel Liebe und Geborgenheit zu schenken. Die Freude, Jerry glücklich, ausgelassen tobend und ausgeglichen zu erleben, ist mit nichts zu vergleichen!

Jerry ist am 14.1.2015 im Alter von 16 Jahren gestorben.